Ein großes Dankeschön

Mit der Hilfe des Markgräfler Gymnasiums Müllheim und der Evangelischen Kirchengemeinde Müllheim konnten in Dschang tolle Projekte verwirklicht werden.

Das MGM hat, wie jedes Jahr, ein großes Benefizkonzert veranstaltet bei dem ich während meiner Schulzeit immer selbst sehr aktiv war. Mit diesem Konzert konnten sie eine große Menge Geld sammeln, die sie als Spenden zur Verfügung gestellt haben.

Auch die Evangelische Kirchengemeinde konnte durch einen Osterbasar Geld sammeln, das sie für Projekt mit Kindern spenden wollten.

Bei beiden Partnern habe ich angefragt, ob sie meine Projekte in Kamerun unterstützen würden und glücklicherweise haben gleich beide mich unterstützt, worüber ich mich sehr gefreut habe (und die Kinder natürlich noch mehr!!)

Mit den Spenden konnte sehr viel erreicht werden! Zuerst haben wir mit dem Geld in den beiden Schulen in denen ich unterrichte Fenster und Türen eingebaut. Leider mussten die Kinder hier in offenen Räumen unterrichtet werden. Weder Fenster noch Türen waren zum Teil vorhanden die vor Lärm, Wind und Wetter schützen. An manchen Tagen in der Regenzeit konnte nicht unterrichtet werden, wegen des Wetters, das ungehalten in die Klassenzimmer eindrang. Ich finde es extrem wichtig, eine ruhige Atmosphäre zum Lernen zu schaffen. Deswegen habe ich angeregt den Bau von Türen und Fenstern in der Schule zu finanzieren, was natürlich auch großen Anklang bei Schülern, Lehrern, Direktorinnen und Schulinhabern gefunden hat.

Hier sieht man die neuen Fenster in der Rainbow-School-Foreke

Hier sieht man die neuen Fenster in der     Rainbow-School-Foreke

Das Hauptprojekt was ich aber in Dschang verwirklichen wollte war, einen Spielplatz zu bauen. Die Kinder hier in Kamerun spielen wenn dann auf der Straße (vorwiegend mit Müll), wenn sie nicht gerade ihren Eltern bei der Farmarbeit helfen müssen. Deswegen wollte ich einen Ort schaffen an dem die Kinder einen passenden Raum und die Möglichkeit haben sich ein bisschen auszutoben und Spaß zu haben.

Bauarbeiten in der Rainbow-School Foto

Bauarbeiten in der Rainbow-School Foto

Anfangs wollte ich einen öffentlichen Spielplatz bauen. Das hat sich aber leider nicht als ganz so einfach erwiesen. Bei einem öffentlichen Spielplatz hätte ich mir dem Rathaus und dem Bürgermeister zusammenarbeiten müssen. Da man aber leider in Kamerun nie weiß wie korrupt die Beamten sind, entschied ich mich dagegen, weil ich ja auch nicht wollte, dass die Spenden der Korruption verfallen. Deswegen bekam ich von meinem Gastvater den Rat mich an die Kirchengemeinden hier in Dschang zu wenden.

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Im Endeffekt konnten vier Spielplätze, an vier Schulen, in vier verschiedenen Stadtteilen Dschangs gebaut werden. Insgesamt haben wir 10 Geräte gebaut. An den beiden Rainbow-Schools wurden jeweils eine Wippe und ein Reck gebaut. An den beiden Regierungsschulen (die zu den Kirchen gehören) wurden jeweils eine Wippe, ein Reck und eine Schaukel gebaut.

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Durch meinen vertrauenswürdigen Techniker und Schreiner Matthias waren die Bauarbeiten einfach, unkompliziert und extrem schnell erledigt. (Was mal so gar nicht kamerunisch ist 😉 )!

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Die Regierungsschulen bekommen jetzt noch einen kleinen Betrag um die Spielplätze in Schuss halten zu können (da sie selbst kaum über eigene Mittel verfügen). Und ich möchte auch nicht in ein paar Jahren zurückkommen und die Spielplätze völlig verwahrlost vorfinden, nur weil kein Geld da war.

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In den letzten Tagen war ich öfter vor Ort, vor allem bei den beiden Regierungsschulen, die sich in ärmeren Vierteln befinden. Eigentlich habe ich jedes Mal Kinder getroffen, die schon voller Freude mit den neuen Spielgeräten gespielt haben. Es ist für sie etwas ganz Neues, weil sie so etwas gar nicht kennen. An einer Schule musste ich auch vorführen was genau man jetzt mit den Geräten machen kann :D.

Ich finde das Projekt ist aber wirklich sehr gut verlaufen und auch die Lösung die wir mit den 4 Spielplätzen gefunden haben, finde ich sehr gut. So kann eine Großzahl der Kinder erreicht werden und ihnen ihre Freizeit etwas verschönert werden.

Ich hoffe auch meine Partner sind mit der Umsetzung des Projektes zufrieden und freuen sich genauso wie ich über das Resultat. Ich bin mir aber sicher, dass wir die größte Freude den Kindern machen konnten und genau das war ja unser aller Ziel. Ich danke nochmals allen Beteiligten vor allem des MG Müllheim und der EV. Kirchengemeinde Müllheim. Es war eine super Zusammenarbeit und ich freue mich auf ein baldiges Wiedersehen, bei dem ich alles noch einmal persönlich berichten kann!

Thank You! Vielen Dank! (von meinen Rainbow-Kids) Im Hintergrund sieht man eine der neuen Türen.

Thank You!
Vielen Dank!
(von meinen Rainbow-Kids)
Im Hintergrund sieht man eine der neuen Türen.

Liebste Grüße Kim

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Starke Menschen

 

Clarisse

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Sie ist eine ausgezeichnete Schneiderin und Mutter von zwei Kindern, Lablonde und Junior. Mit ihrem mickrigen Lohn versucht sie ihre Familie durchzubringen. Von ihrem Mann bekommt sie nur wenig Unterstützung. Da in Kamerun Polygamie immer noch üblich und rechtmäßig ist, ist sie eine von drei Ehefrauen. Ihr Mann soll (angeblich) an die 27 Kinder haben. Bei ihr habe ich mir all meine Sachen schneidern lassen.

Samuel

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Er bezeichnet sich gerne als mein kamerunischer Vater oder mein Ehemann (je nach Tagesform). Kein Morgen lässt er aus ohne mich zu grüßen. Jedes Mal wenn ich das Haus verlasse frägt er mich wo ich hingehe und wann ich wiederkomme. Wenn ich müde von der Schule nachhause komme, sagt er mir ich solle mich ausruhen. Er hat einen (wie in Kamerun üblichen) kleinen Shop, direkt angrenzend an unser Haus. Zu kaufen gibt es bei ihm alles von Zahnbürsten über Eier und Bananen bis hin zu Milch- oder Waschpulver. Er ist wirklich reizend und sagt mir jetzt schon jeden Tag wie sehr er mich vermissen wird.

Helena Atemnkeng

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Sie ist die Direktorin meiner Schule. Eine wirkliche Powerfrau. In einer winzigen Wohnung in der Schule wohnt sie mit ihrem Bruder und ihrer Ziehtochter. Als ein Lehrer nach den Ferien einfach nicht mehr zur Schule kam, übernahm sie kurzer Hand einfach selbst seine Klasse mit 40 Kindern. Nebenher tätigt sie noch den Bürokram und schlägt sich mir besorgten oder (eher) verärgerten Eltern rum. Für einen Spaß ist sie eigentlich immer zu haben.

Rouston

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Chef-Chauffeur der Rainbow School. Er koordiniert alles was mit dem Transport der Kinder zur Schule und wieder nachhause angeht. Außerdem werden auch noch Fahrten in einige Orte für den öffentlichen Passagierverkehr  organisiert. Mit seinem ganzen Herz hängt er an seiner Arbeit und den Kindern. Nicht selten hält er an Bushaltestellen an und steigt extra mit aus um die Kinder sicher über die Straße zu bringen. Auch um seine kleine Familie kümmert er sich immer liebevoll. Und wie man sieht kann man auch immer viel Spaß mit ihm haben.

Das waren nur ein Paar von vielen besonderen Menschen, die ich in diesem Jahr kennengelernt habe.

Regenzeit

 

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Selbst die Hühner verstecken dich unter einem Autowrack um Schutz vor dem Regen zu suchen. Uns bleibt auch oft nichts anderes übrig als zuhause zu bleiben, weil es einfach wie aus Strömen gießt. Wegen dem starken Regenfall kommt es in letzter Zeit auch immer wieder zu Stromproblemen. Es kommt dann schon mal vor, dass man drei Tage ganz ohne Strom da sitzt.

Rauchzeichen aus Kamerun

Lange habe ich nichts von mir hören lassen. Im letzten Monat konnte ich nicht mal Zeit für einen kurzen Bericht finden. Aber jetzt will ich euch mit ein Paar Bildern zeigen was in den letzten Wochen in Dschang so los war! Viel Spaß!

Sportfest

April 2013- Sportfest, Rainbow- School!

Luis und ich organisierten im April ein Sportfest für unsere beiden Schulen. Es war ein kleiner Wettkampf zwischen den Schule. (Bei dem meine Schule als Gewinner hervorging 😉 ) Die Sportarten waren Fußball, Völkerball und Staffellauf. Es war ein riesen Spaß für alle! Natrülich wurden am Ende alle mit einer Urkunde und Lutschern belohnt 🙂

Sportfest

1. Mai

1. Mai- Labour Day

Auch der 1. Mai wird hier in Kamerun, wie jeder andere Feiertag, groß gefeiert. Natrülich mussten wir mal wieder alle marschieren, bevor wir mit einem Bierchen zum feierlichen Teil des Tages übergehen konnten. Unsere wundervolle Uniform wurde von unseren Arbeitgebern gesponsort! (Vor allem die Kappies waren der hammer)

GCE

GCE- General Common Entrance

Unsere Schüler standen im Mai vor ihrer ersten großen Prüfung, mit der sie für die weiterführenden Schulen zugelassen werden. Natürlich waren alle (auch ich) super aufgeregt. Aber ohne Grund, da alle ganz hervorragend bestanden haben! Für diesen besonderen Tag habe ich für die Kinder Ausweise gebastelt, mit einem Bild von ihnen… (Es hatte etwas mit einer kleinen Motivationsrede unserer Schulinhaberin zu tun) Und außerdem sollte es ein Glücksbringer sein 😉 Mitte Juni schreiben unsere Schützlinge ihre Abschlussprüfung!

20. Mai

20. Mai- Nationalday

Und ein weiterer Feiertag im Mai. Der wichtigste von allen. Der Nationalfeiertag von Kamerun. Der Tag der Vereinigung von Ost und West Kamerun. Auch hier gab es wieder eine riesen Parade, welche gleichzeitig ein Wettbewerb war. Die Rainbow- School Foreke war hierbei auf Platz 1. Auf dem Foto sieht man ein Teil meiner 6. Klasse mit dem Klassenleher und der Direktorin meiner Schule.

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Bye, Bye Rainbow pupils!

Letzte Woche am Mittwoch war offiziel der letzte Schultag vor den langen, langen Sommerferien! Leider musste ich mich dann von meinen Lieblingen verabschieden. Eingen fiel es nicht so einfach und bei ein paar meiner 5. Klässler Mädels liefen sogar die Tränen. Mit der 6. Klasse verbingen wir jetzt noch eine Woche bevor sie ihre Prüfungen haben, dann müssen wir uns auch von ihnen verabschieden.

Besonders ergreifend war aber unser Abschlussfest, bei dem die äteren Kindergartenkinder und die 6. Klässler graduiert wurden. Luis und ich hatten einige Aktivitäten für dieses Fest vorbereitet, wie z.b. einen Tanz, einen Chorauftritt, ein Sketch… Alles lief super! Am Ende des Fests wurden wir noch einmal auf die Bühne gebeten und bekamen einige Geschenke überreicht. Auch zwei unserer Schüler sagten ein paar Worte, bei denen uns beiden fast die Tränen kamen. Es war wirklich schön! Aber auch echt unfassbar, dass das Ende jetzt schon zum greifen nahe ist!

Dabei gibt es noch viel zu tun bevor es für mich wieder zurück in die Heimat geht! Außerhalb der Schule habe ich noch ein Projekt im Gange. Ich baue in Dschang einen Spielplatz um Kindern die Möglichkeit und den Raum zu bieten um zu spielen und ihre Freizeit schön zu gestalten. Es ist ein Haufen Arbeit der noch ansteht, aber ich freue mich darauf und ich bin sehr glücklich, dass ich dieses Projekt dank der finanziellen Unterstützungen der evangelischen Kirche Müllheim und des Markgräfler Gymnasiums Müllheim umsetzten kann.

Auch für die Schule gibt es noch ein paar außerordnetliche Arbeiten die zu erledigen sind. (Bücher für die 1. und 2. Klasse erstellen für Lesen und Rechtschreiben). Es wird uns also nicht langweilig.

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Ich hoffe wirklich, dass er Sommer auch bei euch in Deutschland bald mal ankommt!
Bis ich euch im Juli persönlich von meinem Abenteuer “Ein Jahr Kamerun” erzählen kann,wünsch ich euch alles Gute und schicke euch liebste Grüße!

Eure Kim

 

 

Von West nach Nord, von Nord nach Süd, von Süd nach West

Eine wieder einmal spannende, aufregende und tolle Zeit ist vergangen, in der ich viel rum gekommen bin. Von Ende März bis Anfang April konnten wir von der Schule eine kleine Verschnaufpause nehmen, bevor das Schuljahr schon in wenigen Wochen zu Ende geht und wieder eine ganze Reihe von Prüfungen, Tests und Examen anstehen. In diesem Urlaub konnte ich mal wieder ein Paar ganz neue Ecken von Kamerun entdecken.

Bahnhof in Yaoundé

Bahnhof in Yaoundé

An einem Freitag ging es los. Mit dem Bus nach Yaoundé, mal wieder keine einfache Fahrt. Aber was will man schon erwarten :D. Nach einer erholsamen Nacht und einer stressigen Bankensuche (bei der man an einem Samstag Geld abheben kann), kamen wir auf unsere Kosten zum ersten Mal in Kamerun mit einem Zug zu fahren. Leider war das keine sehr angenehme Fahrt. 14 Stunden, in der 2. Klasse, völlig überfüllt, unerträgliche Hitze, Kinder und Babys auf dem Schoß sitzend konnten wir leider kein Auge zu machen.

Diese Kleine hatten Alex und ich während der ganzen Fahrt immer abwächselnd auf dem Schoß :D

Diese Kleine hatten Alex und ich während der ganzen Fahrt immer abwächselnd auf dem Schoß 😀

Als wir ENDLICH am nächsten Morgen ankamen waren wir dementsprechend fertig und ich hatte angeschwollene und schmerzende Füße wie in meinem ganzen Leben noch nicht. Aber wir waren in Ngaounderé. Eine wunderschöne Stadt im Norden Kameruns. Im nördlichen Kamerun leben hauptsächlich Muslime, deswegen konnten wir nochmal eine ganz neue Kultur kennen lernen. Vor allem aber unterscheiden die Menschen sich in ihrer Mentalität. Wohingegen die Leute hier in der West-Region eher aufbrausend und laut sind, ist die Bevölkerung im Norden eher ruhig und entspannt. (Was auch echt mal ganz angenehm war). Viele tolle Moscheen konnte man in Ngaounderé bestaunen und auch einen Sultanspalast haben wir besucht.

Das Highlight (eigentlich unserer ganzen Reise) war aber: ein Tag Safari im Nationalpark. Nach nicht enden wollenden und Nerven raubenden Diskussionen, konnten wir doch einen Trip zum Benoué Nationalpark organisieren. Um 4 Uhr morgens (plus ein paar obligatorische kamerunische Verspätungs-Minuten) brachen wir mit einem großen, schwarzen Geländewagen zu fünft auf. Ein nicht sehr kommunikativer Fahrer brachte uns durch die Morgendämmerung rasend zum Park. Ab dem Eingang des Parks bis zum Camp (wo man den Eintritt etc. bezahlen muss) waren es ca 30 km. Auf dieser Strecke konnten wir schon die meisten Tiere des Tages sehen (weil man natürlich in der Dämmerung morgens und abends am besten die Tiere beobachten kann). Wir fuhren also in den Park hinein und schon nach wenigen Minuten kreuzten die ersten Affen (Paviane, glaube ich :D) unseren Weg. Dann tauchten immer mal wieder, hier und da ein Paar Antilopen und Garzellen auf. Sobald sie uns aber bemerkten sprangen sie wie junges Wild davon. Auf einmal sahen wir eine Giraffe mitten im hohen Steppengras stehen, die uns beobachtete.

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(Und mein Tag war gerettet, weil ich unbedingt eine Giraffe sehen wollte 🙂 ). Auf der anderen Seite der Piste, konnten wir sogar noch eine zweite Giraffe sehen und beobachten wie sie dann beide nach einer kurzen Zeit davon galoppierten. Im Laufe des Tages sahen wir noch ein Warzenschwein, (ganz viele weitere Antilopen und Affen), riesige Termitenhügel und in einem fast ausgetrockneten Flussbett konnten wir Krokodile und eine riesen Herde (fetter) Nilpferde beobachten.

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Es war also durch und durch ein erfolgreicher und spannender Tag. (Bis darauf, dass wir eine Reifenpanne hatten und mir (vermutlich) dabei mein Handy geklaut wurde.)

Nach einem weiteren schönen Tag in Ngaounderé machten wir uns wieder auf den Rückweg mit dem Zug. Dieses Mal wollten wir uns die 2. Klasse aber nicht noch  einmal antun und beschlossen mit der 1. Klasse im Schlafabteil zu fahren, was wirklich eine Wohltat war. (Außerdem fand ich es echt spannend mal mit einem Zug im Schlafabteil zu fahren, weil ich das noch nie davor gemacht hatte!)

Wieder in Yaoundé angekommen entschieden wir uns direkt weiter südlich zu fahren, nach Kribi. In Kribi und auch später in Limbe verbrachten wir eine sehr schöne Zeit am Strand. Wir konnten einfach mal richtig ausspannen und relaxen. Außerdem besichtigten wir in Kribi noch die Lobé Wasserfälle, was auch echt toll war. Nach diesen schönen 2 Wochen ging es wieder westwärts nachhause.

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Leider verging diese tolle Zeit viel zu schnell und ich musste mich auch nach 4 Wochen wieder von meinem Freund verabschieden, der um mich zu besuchen extra nach Kamerun kam.

Jetzt stecken wir schon wieder mitten im Alltag, bzw. in der Abschlussphase des Schuljahres. Am 30. Mai ist die Schule offiziell schon für die unteren Klassen zu Ende. Lediglich die 6. Klasse hat danach noch Prüfungen. Aber uns wird es nicht langweilig. Zu tun gibt es immer irgendetwas und ein paar Projekte sind auch noch für die Zeit nach der Schule in Planung.
Ich hoffe euch in Deutschland geht es allen gut. Aber da bin ich mir sicher, wo der Frühling ja endlich mal kommt.

Bis zu meinem nächsten Bericht. Bis bald.

Liebe Grüße Kim

Die Hässlichkeiten Kameruns

Folgendes soll kein Ranking werden. Klar ist, dass alles gleichbedeutend schlimm oder schrecklich ist. Man möchte oft die Augen davor verschließen. Einfach nicht hinschauen, wenn man doch so viel Schönes in einem Land haben kann. Eine atemberaubende Natur, eine meist offenherzige Mentalität und eine wahnsinnige Vielfältigkeit. Aber leider ist das nicht alles. Nach meinen fast 7 Monaten hier in Kamerun beschäftigt mich das immer mehr und genau deswegen möchte ich das hier ein bisschen kommunizieren. Ich bin mir sicher und jeder andere der hier lebt oder schon einmal gelebt hat könnte einen Roman darüber schreiben, was hier alles schief läuft. Aber ich möchte das hier nur in aller Knappheit ausführen. (Ich hoffe es gelingt mir.) Ich möchte auch kein komplett negatives Bild von Kamerun vermitteln und das alles was ich hier schreibe kann auch nicht verallgemeinert werden, schon gar nicht kann es auf ganz Afrika projiziert werden. Ich spreche hier nur von meinen Erfahrungen speziell in Kamerun. Ich möchte diese ganz einfach nicht verschweigen sondern ein bisschen von der Realität rüberbringen. Ich hoffe ihr versteht was ich meine.

Müll
Der Müll stellt eine sehr große Problematik da, die natürlich auch globale Auswirkungen hat. Von Mülltrennung kann überhaupt nicht die Rede sein. Im Normalfall wird alles auf einen großen Haufen vor oder hinter das Haus geschmissen (inklusive Plastik) und wenn der Haufen groß genug ist wird er angezündet. Davor spielen die Kinder meistens noch im Müll und die Hühner fressen sich ordentlich satt. Freunde von uns mussten dann leider schon die Erfahrung machen, dass die Nachbarskinder noch verschimmelte Kaugummis aus dem Müllgeholt haben um sie zu essen. Das alles ist natürlich besonders gut für die Umwelt (und die Mägen kleiner Kinder).

Verkehr und Straßen
Auch im Straßenverkehr gibt es ein extremes Umweltproblem. Da können in den Industriestaaten noch so viele Feinstaubfilter und CO2 arme Autos hergestellt werden. Das nutzt alles nichts, wenn man sieht (und auch riecht) was für schwarze Rauchschwaden hier aus dem Auspuff eines jeden Autos kommt.
Das Straßennetz ist nicht sehr gut, wird aber schon verbessert. Es gibt asphaltierte Hauptstraßen die die großen Städte miteinander verbinden. Diese würden bei uns eher als Bundesstraßen oder was die Geschwindigkeit angeht eher als Autobahnen durchgehen. Auf diesen guten Straßen gibt es ein massives Geschwindigkeitsproblem. Meist ist nicht sehr viel Verkehr und die Straßen sind gut, Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es nicht, sie werden nicht eingehalten oder können nicht eingehalten werden, weil ich schätze dass ca. 80% aller Tachos kamerunischer Autos kaputt sind. Dafür werden vor und nach jeder Ortschaft oder auch mal dazwischen Hubbel auf den Straßen eingebaut, wo die Fahrer notgedrungen abbremsen müssen, wenn sie nicht ihre Autos total zu Schrott fahren möchten. Durch die hohen Geschwindigkeiten kommt es sehr oft zu schlimmen Unfällen. Aber natürlich verkehrt man nicht nur zwischen den großen Städten sondern auch kleine Ortschaften oder Dörfer müssen erreicht werde. Das geht nur über Schotterwege, die bei uns nicht mal als Wanderwege durchgehen würden. In der Trockenzeit können diese meist noch ganz gut befahren werden, wobei auch dort meterlange und relativ tiefe Schlaglöcher das Ganze erschweren. Wenn man jedoch in der Regenzeit dort verkehrt ist das meistens eine Katastrophe oder ganz einfach nicht möglich.
Die Autos hier sind auch nicht gerade im Top-Zustand. Verbreitet ist die Marke Toyota (es gibt NUR Toyotas!!!). Irgendwie ist immer irgendetwas kaputt. Man fährt auch einfach mit komplett zertrümmerter Windschutzscheide, stört ja niemanden. Anschnallen-Fehlanzeige. Die Busse und auch die PKWs werden bis aufs Letzte vollgestopft. Unser Rekord lag bis jetzt in einem kleinen Toyota (normalerweise 4, max. 5 Sitzer) bei 8 Erwachsenen, 2 Kinder und einem Baby!
Das ganze führt auch nicht gerade zu Sicherheit im Straßenverkehr.

Sauberes Trinkwasser
Oftmals fällt Teilen Kameruns die an die Wasserversorgung angeschlossen sind das Wasser wochenweise ganz aus. In solchen Fällen müssen auch Europäer lernen mit einem Eimer eiskaltem Wasser zu duschen. Einige ländlichere Teile Kameruns sind aber immer noch nicht an das Wassernetzt angeschlossen und müssen oft lange Strecken zum Wasserholen laufen.
Das Hauptproblem beim Wasser ist aber oft nicht, dass keines vorhanden ist, sondern eher die Qualität des Wassers. Zum Trinken ist es eigentlich nicht geeignet obwohl viele Leute das Wasser auch einfach so trinken. Aber wenn das Wasser beinahe rot-braun aus der Leitung kommt, dann ist es vor allem für die nicht sehr strapazierfähigen europäischen Mägen eher nicht geeignet. Wer da keinen Wasserfilter besitzt ist schlecht dran, denn selbst durch abkochen gehen vielleicht die Bakterien raus aber der Dreck verschwindet dadurch auch nicht. Deswegen sind in Kamerun auch Krankheiten wie Würmer, Parasiten oder Cholera sehr verbreitet.

Strom
Mit dem Strom ist es ähnlich wie mit dem Wasser. In den manchen Teilen Kameruns überhaupt nicht vorhanden und in den Teilen in denen es Strom gibt ist die Versorgung schrecklich. Auch jetzt gerade sitze ich wieder im Dunkeln und bin froh, dass mein Laptop noch genügend Akku hat. Egal ob Trocken- oder Regenzeit Stromausfälle gibt es immer und eigentlich täglich. Die Stromkabel sind alles andere als robust und meistens dauert es Stunden, manchmal Tage bis die Leitung wieder hergestellt ist. So etwas könnte man sich in Deutschland nicht vorstellen, wenn auf einmal keine Kasse bei ALDI mehr funktioniert. Da läuft alles auf Hochtouren und wird in kürzester Zeit wieder hergestellt. Hier sieht das ein bisschen anders aus…

Korruption
Die Korruption zerfrisst dieses Land. Es ist grauenhaft wie verbreitet diese Machenschaften reichen. Leider durchzieht die Korruption sämtliche Schichten der Politik und natürlich der Polizeibehörde und der Armee. Dadurch, dass jeder hohe Posten korrupt ist zieht es sich bis hinunter zu den kleinsten Angestellten, weil jeder seinem Vorgesetzten einen Teil seines Schmiergeldes abgeben muss. Und wer da nicht mitspielt ist verloren. Genau deswegen durchbricht keiner dieses große hässliche Spinnennetz, um nicht aus der Reihe zu tanzen. Aber genau das wäre nötig. Egal ob ein Polizeibeamter etwas an deinem Pass auszusetzen hat, bei der Passkontrolle und du ihm etwas zustecken musst um weiterreisen zu können oder ob der Postbeamte dir dein Paket nicht ohne weiteres aushändigen will… es kommt immer wieder vor in einem kamerunischen Alltag und das ist sehr traurig. Ich glaube jeder in Kamerun Lebende wurde schon einmal damit konfrontiert.

Armut und Arbeitslosigkeit
Mein einschneidenstes Erlebnis mit Armut hier in Kamerun war ein kleiner Junge mit zerrissener kack-brauner Schuluniform. Er schaut mich von unten herauf an mit deinen großen kugelrunden Augen und sagt mit ins Gesicht: „ J´ai faim!“ (Ich habe Hunger). Was macht man in so einer Situation? Um einen rum sieht man bestimmt noch zwanzig weitere Kinder die bestimmt auch hungrig sind. Vielen Leuten hier in Kamerun geht es finanziell nicht gut. Hilfe vom Staat, Fehlanzeige. Der Staat hat auch kein Geld. Das Problem was viele Familien haben, ist dass sie meistens auf dem Feld arbeiten und das Erbrachte aber nicht genug Geld einbringt. Sie können sich meistens gerade noch so mit ihren selbst angepflanzten Nahrungsmitteln durchbringen. Eigentlich alle Familien haben sehr viele Kinder und für diese Kinder gibt es keine Arbeitsplätze. Ich kenne keine genauen Zahlen aber fest steht, dass der Arbeitsmarkt gnadenlos überfüllt ist. Deswegen gibt es auch sehr viele Studenten, die extrem lange studieren. Weil sie auch einfach nicht wissen was sie mit ihrem Erlernten jetzt tun sollen. Natürlich gibt es auch diese sehr, sehr geringe Schicht von denjenigen denen es gut geht und die sich keine Sorgen um Geld machen müssen. Diese sind zu diesem Geld vermutlich auch durch Schmiergelder gekommen oder waren in Europa oder den USA um dort zu studieren oder waren schon in anderen Teilen der Welt erfolgreich.

Aberglaube
Aberglaube, der Glaube an Hexerei und den Teufel sind extrem verbreitet. Viele Menschen glauben, dass der
Teufel Besitz von einem ergreifen kann oder, dass man verhext wird. Dieser Aberglaube kommt oft durch Sekten zustande. Ich selbst hatte die Erfahrung damit, weil ein Kind behauptete der Teufel sei in ihm. Das Mädchen beschrieb genau, dass sie der Teufel mit einem Schlangenkopf sei und Menschen umbringe. Der Teufel wurde ihr von einem Priester ausgetrieben. Auch Medizinmänner werden in solchen Situationen gerne aufgesucht. Oder man geht zu Massenteufelsaustreibungen in Nigeria, bei Emmanuel-TV (siehe mein letzter Artikel, im Februar).

Schulsystem
Das Schulsystem hat viele Schwachstellen. Aber mit unseren deutschen Ansichten kann man da nicht viel machen. Ich habe nicht viel Erfahrung damit wie das an Regierungsschulen aussieht, weil ich an einer Privatschule unterrichte und das ist schon nochmal was anderen. Was ich aber am hiesigen Schulsystem ganz schrecklich finde ist der ausschließliche Frontalunterricht. Es gibt einfach nichts anderes. Der Lehrer schreibt etwas an die Tafel, die Kinder schreiben ab. Der Lehrer sagt etwas vor die Schüler sprechen es nach. Freiarbeit, Individuelles Lernen oder gar selbst kreativ werden ausgeschlossen. Da muss hier noch einiges bewegt werden bis man dahin kommen kann, weil die Kinder es schlicht und ergreifend einfach nicht können. Die Schüler sind so darauf getrimmt alles auswendig zu lernen und nach zu babbeln, dass ihre Eigenständigkeit überhaupt nicht ausgeprägt ist.

Körperstrafe
Die Körperstrafe ist verbreiten in Schulen, zuhause und in anderen Rahmen wie zum Beispiel Vereinen. Es traurig und ich war sehr schockiert als ich damit konfrontiert wurde. In der Schule fangen ab und zu Schüler Ohrfeigen, an Backen und Ohren ziehen ist sogar offiziell erlaubt. In den Regierungsschulen ist es auch üblich mit Gegenständen (z.B. Linealen…) zu schlagen. Offiziell ist an unserer Schule die Körperstrafe verboten, manche Eltern kommen in die Schule und fordern, dass ihr Kind auch in der Schule geschlagen werden soll. Auch in einem Fußballverein hat mein Mitfreiwilliger schon die Erfahrung machen müssen, dass der Trainer Kinder brutal geschlagen hat, wenn sie schlecht gespielt haben oder zu spät kamen.

Man könnte noch mehrere Kategorien aufzählen, aber diese waren mit persönlich die Wichtigsten. Es gibt wie schon gesagt auch viele wunderschöne Seiten an Kamerun aber ich möchte auch die schrecklichen Seiten nicht verschweigen!
Mir geht es sehr gut und ich freue mich schon auf die Ferien die nächste Woche beginnen. Ich melde mich dann wieder und werde von meiner Reise in den Norden Kameruns berichten.

6 Stunden Emmanuel-TV

Ihr fragt euch jetzt bestimmt: Was zum Teufel ist Emmauel TV? Und mit dieser Frage geht es schon in die richtige Richtung. Emmanuel TV ist eine TV-Serie die hier in Kamerun sehr beliebt ist und sich hauptsächlich damit beschäftigt Teufelsaustreibungen als öffentliche Massenabfertigung anzubieten und dies im TV zu übertragen. Leute mit jeglichen Problemen werden dort vor aller Leute Augen geheilt. Erst werden sie besessen, erzählen, dass sie entweder der Teufel in Person einer Schlage oder was auch immer sind, dann schreien sie rum, werden auf den Kopf geschlagen, rennen rum, fallen um und dann auf einmal: ” Jesus, Thank you! I am free!” (Wer mehr darüber wissen möchte hier der Link:http://www.emmanuel.tv/)
Genau das musste ich mir ungefähr 6 1/2 Stunden geben, während ich beim Friseur saß! Die Leute hier finden das ganz toll und jedes Mal wenn wieder einer geheil wurde rufen alle Mamis aus dem Salon wieder:Oh mein Gott, zum Glück. Er hat es geschafft. Er ist frei! 😀
Das ganze wird mit der Zeit ein bisschen anstrengend. Aber den Diskussionen zu lauschen ist auch echt unterhaltsam. Während dieser 6 Stunden ist das hier herausgekommen: EINE NEUE FRISUR!
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Bei einem kamerunischen Friseur gibt es auch immer eine sehr familiäre Stimmung. Mit dem Baby der einen Angestellten auf dem Schoß wurde mir von so ziemlich jedem der den Laden betreten hat, einmal die Haare geflochten. Jeder der gerade wartet egal ob mit Lockenwicklern in den Haaren oder nicht, packt mit an und vernachlässigt dabei natürlich nicht emmanuel.tv 😀
Mir macht es dort immer wieder Spaß meine Zeit zu verbingen und sie Frauen sind dort echt immer super nett. Also mal wieder ein glungener Samstag, beim Friseur.
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